AD(H)S steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. AD(H)S ist weder eine „Modeerscheinung“ noch eine Erfindung der Pharmaindustrie. Vereinfacht erklärt handelt es sich um eine besondere Art der Hirnfunktion beziehungsweise der Informationsverarbeitung. Dabei verarbeitet das Gehirn Reize, Informationen und Aufmerksamkeit anders als bei neurotypischen Menschen. Besonders betroffen sind häufig die Bereiche Konzentration, Impulskontrolle, Reizverarbeitung und die sogenannte Exekutivfunktion – also die Fähigkeit, Aufgaben zu planen, zu strukturieren und Prioritäten zu setzen.
Die Veranlagung wird häufig genetisch weitergegeben. Studien gehen davon aus, dass die Vererbbarkeit bei rund 70 % liegt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem, dass bestimmte Botenstoffe im Gehirn, insbesondere Dopamin und Noradrenalin, bei Menschen mit AD(H)S anders reguliert werden. Dies kann dazu führen, dass Aufmerksamkeit, Motivation und Reizfilterung anders funktionieren als bei neurotypischen Menschen.
Jungen werden deutlich häufiger diagnostiziert als Mädchen. Bei Mädchen und Frauen bleibt AD(H)S jedoch oft lange unerkannt, da sich die Symptome häufig weniger durch sichtbare Hyperaktivität, sondern eher durch innere Unruhe, emotionale Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder Überanpassung zeigen. Dadurch dürfte die Dunkelziffer bei Mädchen und Frauen deutlich höher sein.
Heute geht die Fachwelt davon aus, dass etwa 5–7 % der Bevölkerung von AD(H)S beziehungsweise neurodivergenten Ausprägungen betroffen sind. Viele Betroffene verfügen gleichzeitig über besondere Stärken wie Kreativität, hohe Empathie, schnelle Denkprozesse, starke Lösungsorientierung oder die Fähigkeit, sich bei Interesse aussergewöhnlich intensiv auf Themen zu fokussieren.
Seit den späten 1990er-Jahren wird gezielter und differenzierter diagnostiziert. Das Bewusstsein für AD(H)S und Neurodivergenz ist gestiegen, wodurch mehr Menschen erkannt und begleitet werden können.
Die steigenden Zahlen bedeuten deshalb nicht zwingend, dass AD(H)S häufiger vorkommt – sondern vor allem, dass heute genauer hingeschaut wird. Wie bereits erwähnt, geht die Fachwelt davon aus, dass etwa 5 – 7 % der Bevölkerung betroffen sind.
Haben neurodivergente Menschen Gemeinsamkeiten?
Jeder Mensch ist individuell. Deshalb gilt auch bei AD(H)S der Satz:
„Kennst du einen Betroffenen, dann kennst du genau einen.“
Trotzdem gibt es gewisse Gemeinsamkeiten, die bei vielen neurodivergenten Menschen beobachtet werden können – allerdings in ganz unterschiedlicher Ausprägung. Moderne Forschung zeigt, dass neurodivergente Menschen Informationen, Reize und Emotionen häufig anders verarbeiten als neurotypische Menschen. Viele Herausforderungen entstehen deshalb nicht durch mangelnde Fähigkeiten, sondern durch Umgebungen, die wenig auf unterschiedliche Denk- und Arbeitsweisen ausgerichtet sind.
Wer diese Besonderheiten versteht, kann gezielt darauf eingehen und Rahmenbedingungen schaffen, die den Alltag und insbesondere das Berufsleben erleichtern.
Mögliche Gemeinsamkeiten:
Ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden:
Viele neurodivergente Menschen reagieren besonders sensibel auf Ungerechtigkeit, unklare Regeln oder respektlosen Umgang. Werte wie Fairness, Ehrlichkeit und Transparenz haben oft einen hohen Stellenwert.
Hohe Hilfsbereitschaft und grosses Engagement
Häufig zeigen Betroffene ein starkes Verantwortungsgefühl und investieren viel Energie in Aufgaben, Projekte oder zwischenmenschliche Beziehungen. Gerade im Berufsleben übernehmen sie oft mehr Verantwortung, als von ihnen erwartet wird.
Gefahr von Überforderung oder Burnout:
Durch die permanente Reizverarbeitung, hohen inneren Druck oder das ständige Bemühen, sich anzupassen („Masking“), besteht ein erhöhtes Risiko für Erschöpfung, Stresssymptome oder Burnout. Viele Betroffene versuchen über lange Zeit, Schwierigkeiten zu kompensieren, ohne dass das Umfeld dies bemerkt.
Starke Multitasking- und Krisenfähigkeiten:
Viele neurodivergente Menschen können in hektischen oder dynamischen Situationen sehr schnell reagieren, flexibel denken und mehrere Informationen gleichzeitig verarbeiten. Besonders unter Zeitdruck entstehen oft kreative und lösungsorientierte Ansätze.
Hohe Loyalität gegenüber Arbeitgebern und Teams:
Wenn Wertschätzung, Vertrauen und passende Rahmenbedingungen vorhanden sind, zeigen viele Betroffene eine hohe Identifikation mit ihrem Unternehmen sowie ein starkes Pflichtbewusstsein.
Sehr fokussiertes Arbeiten bei Interesse („Hyperfokus“)
Bei Themen, die Interesse oder Begeisterung auslösen, können neurodivergente Menschen überdurchschnittlich konzentriert, detailorientiert und ausdauernd arbeiten. Dabei werden Zeit und Umgebung teilweise kaum noch wahrgenommen.
Erhöhte Sensibilität,
gegenüber Reizen, Geräusche, Licht, Gerüche, Gespräche oder visuelle Eindrücke werden oft intensiver wahrgenommen. Grossraumbüros, ständige Unterbrechungen oder hohe Geräuschkulissen können deshalb schneller zu Überforderung führen.
Kreatives und vernetztes Denken:
Viele Betroffene denken weniger linear und erkennen Zusammenhänge, Muster oder Lösungswege, die anderen möglicherweise nicht sofort auffallen. Dieses sogenannte „Out-of-the-box-Denken“ kann insbesondere in kreativen, strategischen oder innovativen Bereichen eine grosse Stärke sein.
Schwierigkeiten mit Routine und monotonen Aufgaben:
Wiederholende Tätigkeiten ohne Sinnbezug oder Abwechslung können als besonders belastend empfunden werden. Motivation entsteht häufig stärker durch Interesse, Sinnhaftigkeit und Begeisterung als durch reine Pflichterfüllung.
Diese Eigenschaften sind weder ausschliesslich positiv noch negativ zu bewerten. Entscheidend ist immer die individuelle Ausprägung sowie das Umfeld, in dem ein Mensch lebt und arbeitet. Mit Verständnis, klarer Kommunikation und passenden Rahmenbedingungen können neurodivergente Menschen ihre Stärken oft besonders gut entfalten.
Was bedeutet ADHS im Berufsleben für Unternehmen und Arbeitgeber?
Neurodivergente Mitarbeitende bringen häufig grosses Potenzial, Engagement und Loyalität mit. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels kann dies für Unternehmen eine wertvolle Ressource sein. Internationale Studien und Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass vielfältig zusammengesetzte Teams oft kreativer arbeiten, innovative Lösungen entwickeln und unterschiedliche Perspektiven besser einbringen können.
Viele neurodivergente Menschen verfügen über besondere Stärken wie analytisches Denken, hohe Detailgenauigkeit, kreative Problemlösung, ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit bei interessanten Aufgaben sowie ein starkes Verantwortungsbewusstsein. Gleichzeitig zeigen viele Betroffene eine hohe Motivation und Loyalität, wenn sie sich verstanden und wertgeschätzt fühlen.
Herausforderungen entstehen häufig nicht aufgrund fehlender Kompetenz, sondern durch Arbeitsbedingungen, die wenig flexibel gestaltet sind. Dazu gehören beispielsweise ständige Unterbrechungen, unklare Kommunikation, hohe Reizbelastung, fehlende Strukturen oder unrealistische Erwartungen im Arbeitsalltag. Bereits kleine Anpassungen können hier eine grosse Wirkung erzielen.
Dazu zählen unter anderem:
– klare und transparente Kommunikation
– strukturierte Arbeitsabläufe und realistische Prioritäten
– flexible Arbeitsmodelle oder Rückzugsmöglichkeiten
– reduzierte Reizbelastung am Arbeitsplatz
– Verständnis für unterschiedliche Arbeits- und Denkweisen
– gezielte Nutzung individueller Stärken
Unternehmen, die sich aktiv mit Neurodivergenz beschäftigen, fördern nicht nur Inklusion und Mitarbeiterzufriedenheit, sondern profitieren häufig auch von geringerer Fluktuation, höherer Motivation und einem gesünderen Arbeitsklima.
Genau dabei unterstütze ich dich:
Gemeinsam entwickeln wir passende Massnahmen, um neurodivergente Mitarbeitende besser zu verstehen, ihre Stärken gezielt zu fördern und ein gesundes, wertschätzendes sowie produktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Dabei geht es nicht um Sonderbehandlungen, sondern um praktikable Lösungen, die sowohl den Mitarbeitenden als auch dem Unternehmen langfristig zugutekommen.
Fachkräftemangel, neue Arbeitsmodelle und ungenutzte Potenziale stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen.
Offene Stellen bleiben länger unbesetzt. Teams geraten unter Druck. Wissen geht verloren. Belastung und Fluktuation steigen.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht mehr, ob sich die Arbeitswelt verändert.
Die Frage ist, wie Unternehmen darauf reagieren.
Viele Unternehmen konzentrieren sich weiterhin auf klassische Lebensläufe und bekannte Arbeitsmodelle.
Dabei bleibt enormes Potenzial ungenutzt.
Menschen mit ADHS und Neurodivergenz. Quereinsteiger. Wiedereinsteiger. Menschen, die Teilzeit arbeiten möchten. Mitarbeitende über 50.
Wer zu früh nach Alter, Lebenslauf oder vermeintlich passenden Eigenschaften aussortiert, übersieht möglicherweise genau die Menschen, die im Unternehmen fehlen.
ADHS zeigt sich im Arbeitsalltag sehr unterschiedlich.
Eigenschaften wie Kreativität, schnelle Auffassungsgabe, Lösungsorientierung, hohe Energie oder die Fähigkeit, sich intensiv auf interessante Aufgaben zu konzentrieren, können wertvolle Stärken sein.
Ob daraus tatsächlich eine Stärke wird, hängt aber auch von der Aufgabe, dem Arbeitsumfeld und den Rahmenbedingungen ab.
Menschen mit ADHS werden im Arbeitsalltag trotzdem häufig falsch eingeschätzt oder nicht passend eingesetzt.
Ich unterstütze Unternehmen dabei, neurodivergente Mitarbeitende besser zu verstehen, vorhandene Potenziale sichtbar zu machen und Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Stärken genutzt werden können.
Dabei geht es nicht um Sonderbehandlung.
Es geht um Arbeitsbedingungen, unter denen Menschen ihre Fähigkeiten einbringen können.
Meine Arbeit verbindet Themen wie Fachkräftemangel, Mitarbeiterbindung, moderne Arbeitsmodelle, ADHS und Neurodivergenz, Potenzialentwicklung und die Sensibilisierung von Führungskräften.
Nicht mit Standardlösungen, sondern mit einem Blick auf das jeweilige Unternehmen und die Menschen, die dort arbeiten.
Sie entscheiden, wo, bei wem und wie sie arbeiten wollen.
Verständnis, Flexibilität, Wertschätzung, sinnvolle Aufgaben und ein Arbeitsumfeld, in dem sie ihre Fähigkeiten einsetzen können, werden deshalb immer wichtiger.
Unternehmen, die das erkennen, verschaffen sich einen Vorteil im Wettbewerb um Mitarbeitende.
Nicht jede Stärke ist auf den ersten Blick sichtbar.
Nicht jeder passende Mitarbeitende passt in ein klassisches Raster.
Die Zukunft gehört Unternehmen, die Potenziale erkennen, bevor andere sie sehen.
Du möchtest neue Wege im Umgang mit Fachkräftemangel gehen?
Du möchtest ADHS und Neurodivergenz im Unternehmen besser verstehen und vorhandene Potenziale besser nutzen?
Dann lass uns unverbindlich austauschen.
Vereinfacht dargestellt verarbeitet ein neurodivergentes Gehirn Reize oft anders als ein neurotypisches Gehirn.
Während du diesen Text liest, nimmst du möglicherweise gleichzeitig Geräusche, Gerüche oder Bewegungen aus deiner Umgebung wahr: Musik vom Nachbarhaus, Gespräche, Kinderstimmen, das Klirren von Gläsern oder andere Hintergrundgeräusche. Ein neurotypisches Gehirn kann viele dieser Reize automatisch filtern und als „unwichtig“ ausblenden, damit der Fokus auf dem Lesen bleibt.
Bei vielen neurodivergenten Menschen funktioniert diese Reizfilterung jedoch anders. Geräusche, Gerüche, Lichtreize oder Bewegungen gelangen oft gleichzeitig und ungefiltert ins Bewusstsein. Das Gehirn muss dadurch deutlich mehr Informationen gleichzeitig verarbeiten.
Diese permanente Reizverarbeitung kann sehr anstrengend sein und zu Überforderung, innerer Unruhe, Erschöpfung oder erhöhter Reizbarkeit führen. Für das Umfeld ist dies nicht immer sofort sichtbar, für Betroffene jedoch oft tägliche Realität.
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